Stehende Ovationen bei Uraufführung des Jugendmusik-Projekts "sTorymusiC" - März 2006 Kelsterbach, 30. März 2006 - Mit stehenden Ovationen feierten die fast 150 Besucher am Donnerstagabend in der Petrusgemeine Kelsterbach die Uraufführung des Jugend-Musikprojekts "sTorymusiC.
"sTorymusiC", ein modernes Musical, in dem die Geschichte des Jugendlichen Jess erzählt wird, der sozial abstürzt und nach einem Heimaufenthalt in Obdachlosigkeit und Drogensucht endet. Das Musical gibt Einblick in Jess' Träume, Gedanken, Wünsche und Ängste. Was wird er tun, wie wird er sein Leben meisten, wo findet Jess Halt im Leben? Eindrücklich erzählen die Lieder davon, wie er versucht seinem Leben Sinn durch Musik zu geben, wie seine Gitarre für ihn der langersehnte "Sonnenstrahl im Leben" wird, der ihm zwar Hoffnung gibt, ihn aber letztlich dennoch nicht retten kann. Irgendwann ist Jess verschwunden und seine Bekannten wundern sich, dass er so lange nicht auftaucht, nehmen sich vor ihn zu suchen und finden als letzte Zeichen seiner Existenz jedoch nur sein Instrument und ein Notizbuch mit Songtexten, die für ihn, den Ungewollten und Ungeliebten, den einzigen Weg darstellten seine innersten Gefühle und Gedanken mitzuteilen. Das Projekt "sTorymusiC" wurde in den letzten fünf Wochen von 17 Jugendlichen aus Kelsterbach und Umgebung unter der Leitung von Stephan Schmiederer und Ramona Rücker, Praktikanten der evangelisch freikirchlichen Petrusgemeinde, entwickelt. "Dabei lag die gesamte Produktion des Musicals inklusive des Liedertextens sowie der anschließenden Vertonung mit eigenen Kompositionen, der Bühnenbildgestaltung und der technischen Gestaltung bei der Aufführung in den Händen der Mitwirkenden, die dabei viel freie Zeit abends oder am Wochenende opferten." erklärte Stephan Schmiederer dem Publikum. "Lediglich einige Stichpunkte für den Lebenslauf von Jess waren vorgegeben." Durch das Musical wollten die Urheber auf soziale Missstände wie familiäre Gewalt und Jugendobdachlosigkeit aufmerksam machen. Sie erschufen mit sensiblen Texten und Songs mit Ohrwurmqualität das beeindruckende Portrait eines Menschen, der zwar in seinem Leben übersehen, jedoch den Menschen, die seine Geschichte gehört haben, sicherlich lange im Gedächtnis bleiben wird, wie auch der lang anhaltende Applaus und lautstark geforderte Zugabe bewies. Als "Special Guest" war Andrea Schmidt, Sozialpädagogin in der Frankfurter Auffangstation und Notschlafstätte "Sleep In", eingeladen, die nach dem musikalischen Teil des Abends die Einrichtung vorstellte. "Jess aus "sTorymusiC" kam mir sehr bekannt vor - ich glaube, der hat schon öfter bei uns übernachtet!" so Andrea Schmidt. "Seine Geschichte ist zwar für das Musical erfunden, jedoch kommen viele Jugendliche zu "Sleep In", die genau die gleichen Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben." Mit großer Betroffenheit nahm das Publikum an dem Bericht über die schwierigen Einzelschicksale Anteil und informierte sich auch in der offenen Fragerunde über Einzelheiten aus dem Alltag bei "Sleep In". Obdachlose Jugendliche können dort bis zu sechs Tagen im Monat eine Unterkunft und Verpflegung bekommen. Sie werden von den 17 Mitarbeitern ohne große Formalitäten aufgenommen. "Viele der Jugendlichen kommen zu uns und besitzen nichts, da sie z. B. ihre Famlien ohne Gepäck verlassen haben. Wir stellen dann erst einmal ganz banale Dinge wie Hygieneartikel, Unterwäsche oder Handtücher zur Verfügung." erklärt Andrea Schmidt. Da das vom Trägerverein Verein Arbeits- und Erziehungshilfe und der Stadt finanzierte Budget für "Sleep In" knapp bemessen ist, ist die Einrichtung auch auf Spenden angewiesen. "Umso mehr freut es mich, dass die Jugendlichen von "sTorymusiC" auf unsere Einrichtung aufmerksam machen." so Schmidt weiter. Die Erlöse des Abends aus Getränke- und Snackverkauf sowie einer Spende der Zuschauer, die "Sleep In" zur Verfügung gestellt bekam, würden direkt für die Jugendlichen verwendet werden. Spontan lud Schmidt auch die Mitwirkenden des Musicals ein, sich die Auffangstation einmal selbst anzusehen. Diese Möglichkeit werden sich die Sänger und Musiker sicher nicht entgehen lassen. |